SFU PREPAufnahmetest

Vergleich

SFU vs. MedAT: Welcher Weg ins Medizinstudium passt zu dir?

Beide Wege führen zum gleichen Titel — Dr. med. univ. — aber die Bedingungen sind grundverschieden. Hier ein ehrlicher Vergleich von Aufnahmeverfahren, Kosten, Erfolgsaussichten und Studienaufbau, mit klarer Empfehlung, für welche Profile sich welcher Weg lohnt.

Schnellvergleich auf einen Blick

KriteriumSFU WienMedAT (MUW/MUG/MUI/JKU)
AufnahmeverfahrenKognitiver Test, Biologietest, psychologisches EinzelgesprächBMS (Basiskenntnistest), Textverständnis, kognitive Fähigkeiten, sozial-emotionale Kompetenzen
Erforderliches FachwissenBiologie (Buselmaier 14. Aufl., Kap. 1–2 + 7.1–7.9)Biologie, Chemie, Physik, Mathematik (Schulwissen-Niveau)
Aufnahmequote (geschätzt)Rund jeder 8.–9. Bewerber, keine offizielle QuoteCa. 10–15 % je nach Uni und Jahrgang
Bewerbungsgebühr700 € (600 € rückerstattbar bei rechtzeitigem Rücktritt)120 €
Studiengebühr pro Semester14.179 € (ab WS 2026)ca. 22 € (ÖH-Beitrag, ohne Studiengebühr für EU/EWR)
Gesamtkosten 12 Sem.ca. 170.000 € + Aufnahmegebühr + ggf. Lateinca. 260 € ÖH-Beiträge
Studiendauer6 Jahre (Bachelor + Master, modular aufgebaut)6 Jahre (Diplomstudium oder Bachelor + Master je nach Uni)
AbschlussDr. med. univ. (vollwertig)Dr. med. univ.
Anerkennung in EUJa (EU-Richtlinie 2005/36/EG)Ja
GruppengrößeKleine Gruppen, persönlicher Kontakt zu LehrendenGroße Studienjahrgänge, weniger persönlicher Kontakt
NC für deutsche BewerberKein NC, eigene Eignungsprüfung zählt75-%-Quote für österreichische Maturanten an MUW/MUG/MUI

Aufnahmeverfahren im Detail

MedAT: Wissens- plus Kognitionstest

Der MedAT ist ein eintägiger schriftlicher Test mit fünf Blöcken: Basiskenntnistest für medizinische Studien (BMS, Biologie / Chemie / Physik / Mathe), Textverständnis, kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, sozial-emotionale Kompetenzen sowie ein Implikationstest. Die Vorbereitung erfordert mehrere Monate Stoffwiederholung in den naturwissenschaftlichen Fächern. Wer den MedAT schreibt, konkurriert direkt mit einigen tausend Bewerbern um die rangzahl-basierte Vergabe — die genaue Cut-off-Punktzahl ändert sich jedes Jahr.

SFU: kognitiver Test plus Biologie plus Gespräch

Die SFU prüft an drei Stationen. Der kognitive Test ist ein adaptiver Computer-Test, dessen Aufgabenstellung sich an deine Leistung anpasst — wer richtig antwortet, bekommt schwerere Aufgaben, wer falsch antwortet, leichtere. Geprüft werden Merkfähigkeit, logische Denkfähigkeit, visuell-räumliche Wahrnehmung, rechnerisches Grundverständnis und Sprachverständnis. Direkt am selben Testungstag in Wien (Freudplatz 1 oder 3, 1020 Wien) folgen 30 Buselmaier- Biologiefragen aus den Kapiteln 1, 2 und 7.1 bis 7.9. Nur wer den kognitiven Teil positiv absolviert, wird anschließend zum psychologischen Online-Einzelgespräch via Zoom eingeladen.

Kosten über die gesamte Studienzeit

Der dramatischste Unterschied. Über sechs Jahre (zwölf Semester) ergibt sich folgendes Bild:

  • Staatliche Uni (MedAT): rund 260 € ÖH-Beitrag insgesamt. Keine Studiengebühren für EU/EWR-Bürger in Regelstudienzeit.
  • SFU Wien: 12 × 14.179 € = 170.148 € Studiengebühren. Plus 700 € Aufnahmegebühr, optional 850 € naturwiss. Vorbereitungskurs, 480 € pro Semester Latein-Ergänzungskurs (1.–4. Semester, falls kein Schul-Latein-Nachweis).
  • Lebenshaltungskosten in Wien (alle Studierenden): grob 12.000 bis 18.000 € pro Jahr.

Die Studiengebühr ist also nicht nur quantitativ höher — sie ist ein strategischer Faktor. Für viele Bewerber entscheidet die Finanzierung, ob die SFU überhaupt eine reelle Option ist. Wir empfehlen, die Finanzierung vor dem Bewerbungstermin geklärt zu haben: das psychologische Einzelgespräch fragt das aktiv ab.

Aufnahmechancen realistisch eingeschätzt

Beide Verfahren sind anspruchsvoll, aber unterschiedlich kompetitiv. Der MedAT hat eine Aufnahmequote von rund 10 bis 15 Prozent — bei mehreren tausend Bewerbern pro Uni ist das ein hartes Filterverfahren. Die SFU veröffentlicht keine offiziellen Quoten. Verbreitete Schätzungen sprechen von ungefähr jedem achten bis neunten Bewerber.

  • MedAT begünstigt strukturierte Lerner mit guter Naturwissenschafts-Basis und hoher Testtagsleistung.
  • SFU begünstigt Bewerber, die in drei sehr unterschiedlichen Formaten konstant gut sind — Naturwissenschaft, kognitive Fähigkeiten, persönliche Auftrittssicherheit.
  • Wer sich an staatlichen Unis mehrfach beworben und am Cut-off gescheitert ist, ist nicht automatisch SFU-tauglich. Die Anforderungen sind anders, nicht niedriger.

Wichtig zu wissen: an MUW, MUG und MUI gibt es eine 75-%-Vorzugsquote für österreichische Maturanten. Für deutsche Bewerber ist der Wettbewerb beim MedAT damit noch enger. An der SFU gilt diese Quote nicht — sie ist für viele deutsche Bewerber deshalb die realistischere Option.

Studienaufbau und Abschluss

Beide Wege führen zum Dr. med. univ. und sind EU-weit anerkannt (Richtlinie 2005/36/EG). Aber der Studienverlauf unterscheidet sich:

  • Staatliche Unis: meist als Diplomstudium organisiert, große Jahrgänge, sechs Jahre Regelstudienzeit.
  • SFU: Bachelor (3 Jahre) plus Master (3 Jahre), modulares System, kleinere Gruppen mit häufigeren Kontaktstunden zu Lehrenden, expliziter psychologischer Schwerpunkt in den Lehrinhalten.
  • Klinik-Anteile in Wiener Kliniken sind in beiden Fällen Teil der praktischen Ausbildung, organisatorisch aber unterschiedlich gestaltet.

Für wen lohnt sich welcher Weg

Persona 1: starker Lerner mit knapper Finanzierung

Du hast einen guten Schnitt, kommst aus einem naturwissenschaftlichen Profil, kannst sechs bis neun Monate fokussiert lernen — und Familie/Bafög erlauben keine sechsstellige Studiengebühr. Klar: MedAT vorbereiten, parallel an mehreren österreichischen Unis bewerben. Plan B SFU nur, wenn die Finanzierung trotz allem darstellbar ist.

Persona 2: NC-Geschädigter aus Deutschland

Du hast einen Abi-Schnitt jenseits dessen, was für deutsche Medizinplätze reicht, willst aber nicht weitere Jahre warten. SFU ist häufig der pragmatischere Weg: kein NC, eigene Eignungsprüfung, planbare Saison. MedAT bleibt eine Option, wegen der 75-%-Quote für Österreicher aber statistisch schwieriger.

Persona 3: Mehrfach-Wiederholer

Du hast den MedAT bereits ein- oder zweimal geschrieben und am Cut-off verloren. Hier ist die SFU oft die strategisch klügere Wahl, weil das Auswahlverfahren ein anderes Profil bevorzugt. Wer aber bisher an den Naturwissenschaften gescheitert ist, hat im SFU-Biologietest die gleiche Schwierigkeit — der Bewertungs-Schwerpunkt verschiebt sich nur auf Detailtiefe statt Breite.

Persona 4: Ältere Bewerber mit Berufserfahrung

Du bist über 25, hast bereits einen Beruf oder ein abgeschlossenes Studium und willst quereinsteigen. Die SFU gewichtet Lebenslauf und Motivation im Einzelgespräch vergleichsweise stark. Das spielt deinem Profil entgegen. Statistisch ist die SFU bei dieser Persona häufig die bessere Wahl, vorausgesetzt die Finanzierung steht.

Mythen, die wir richtigstellen

„Die SFU ist die einfachere Variante”

Falsch. Das Auswahlverfahren ist anders, nicht leichter. Wer den kognitiven Test im SFU-Verfahren unterschätzt, fällt durch. Die Quote ist niedriger als oft kommuniziert.

„Ein SFU-Abschluss zählt international weniger”

Falsch. Die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG erkennt den Abschluss in allen EU-Staaten. Der Dr. med. univ. ist der gleiche Titel wie an einer staatlichen Uni.

„Wer SFU studiert, hat es nur über das Geld geschafft”

Falsch. Geld ist nicht das Aufnahmekriterium — die SFU lehnt regelmäßig Bewerber ab, deren Familien zahlen könnten. Das Auswahlverfahren wählt nach Eignung. Die Studiengebühr ist eine Hürde, die danach kommt.

Wie du dich entscheidest

Drei Fragen, die du ehrlich beantworten solltest:

  • Ist die Finanzierung von rund 170.000 € Studiengebühren plus Lebenshaltung tragbar — auch bei einem Schicksalsschlag oder Studienverzögerung?
  • Spielen dir die Anforderungen der SFU (Detailtiefe Biologie, adaptiver kognitiver Test, persönliches Einzelgespräch) eher entgegen als die des MedAT (Breite Naturwissenschaften plus Testtag)?
  • Hast du die Zeit, beides parallel vorzubereiten, oder musst du dich für einen Weg entscheiden?

Häufige Fragen

Sind SFU-Absolventen vollwertige Ärzte in Deutschland und Österreich?

Ja. Das Studium ist gemäß EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG anerkannt, der Abschluss berechtigt zur Berufsausübung in der gesamten EU. Konkret: die SFU verleiht den Doctor medicinae universae (Dr. med. univ.), exakt denselben Titel wie staatliche österreichische Medizin-Unis.

Welcher Test ist schwerer, MedAT oder SFU-Aufnahmetest?

Anders, nicht einfacher. MedAT prüft Fachwissen in Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und kognitive Aufgaben — mit einer Aufnahmequote von rund 10 bis 15 Prozent ist der Konkurrenzdruck extrem hoch. SFU prüft kognitive Fähigkeiten plus Biologie nach Buselmaier und ein psychologisches Einzelgespräch; geschätzt wird jeder achte bis neunte aufgenommen, die SFU veröffentlicht aber keine offizielle Quote.

Was kostet das Medizinstudium an der SFU insgesamt?

Ab Wintersemester 2026: 14.179 € pro Semester. Über zwölf Semester sind das rund 170.000 € Studiengebühren plus 700 € Aufnahmegebühr, evtl. Vorbereitungs- oder Lateinkurs. Eine staatliche österreichische Uni kostet pro Semester unter 30 €.

Gilt für SFU-Bewerber aus Deutschland ein NC?

Nein. Die SFU wendet kein staatliches Quoten- oder NC-System an. Entscheidend ist das Ergebnis aus dem SFU-eigenen Auswahlverfahren — kognitiver Test, Biologietest, psychologisches Einzelgespräch und Bewerbungsdokumente werden gewichtet zusammengefasst.

Kann ich beides parallel machen — MedAT und SFU bewerben?

Ja, das machen viele und es ist strategisch sinnvoll. Die Termine kollidieren in der Regel nicht. Wer beides ernsthaft vorbereitet, vervielfacht die Aufnahmechance — die Vorbereitungsinhalte überlappen aber nur teilweise.

Wechseln Studierende zwischen SFU und staatlichen Unis?

Vereinzelt, aber selten. Die Modulsysteme unterscheiden sich, Anrechnungen sind möglich, aber nicht garantiert. Für die meisten ist die Studienortwahl eine Entscheidung für den gesamten Studiengang.

Welche Sprachvoraussetzungen verlangt die SFU?

Das Studium läuft ausschließlich auf Deutsch. Für deutsche, österreichische und schweizerische Muttersprachler sowie für Bewerber, die Deutsch maturiert oder als Abiturfach absolviert haben, ist kein zusätzlicher Nachweis nötig. Alle anderen müssen ein anerkanntes C1-Zertifikat (z. B. ÖSD C1, telc C1 Hochschule, Goethe-Zertifikat C1, TestDaF mit TDN 4) vorlegen — eine bloße Kursteilnahmebestätigung reicht nicht.

Brauche ich Biologie als Oberstufenfach für die SFU?

Ja. Die SFU verlangt einen Nachweis über insgesamt vier Wochenstunden Biologie in der gesamten Oberstufe (Stundentafel oder Schulbestätigung). Deutsche Bewerber mit Biologie-Leistungskurs oder Biologie als Abiturfach erfüllen die Voraussetzung automatisch. Wer das nicht nachweisen kann, muss verpflichtend den zweiwöchigen extracurricularen Vorbereitungskurs der SFU MED (August, etwa 850 €) inklusive Prüfung absolvieren.

Ist Latein für ein Medizinstudium an der SFU erforderlich?

Latein ist keine Zulassungsvoraussetzung, muss aber bis Ende des Bachelorstudiums nachgewiesen werden — entweder durch kleines Latinum, mindestens 10 Wochenstunden Latein in der Schulzeit oder durch einen 4-semestrigen Ergänzungskurs an der SFU MED. Plane den Kurs in die Studiengebühr-Kalkulation ein, falls dir der schulische Nachweis fehlt.

Spielt die Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) eine Rolle?

Wer in Österreich die Matura mit einer Vorwissenschaftlichen Arbeit zu einem human- oder zahnmedizinischen Thema absolviert hat, kann das in der Online-Bewerbung angeben. Die SFU wertet das als Hinweis auf spezielle Motivation und thematisches Interesse.

Wenn die SFU dein Weg ist

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