Das Verfahren im Überblick
Die Sigmund Freud PrivatUniversität Wien vergibt pro Jahr 220 Studienplätze für Humanmedizin (plus 50 für Zahnmedizin). Es gibt keinen Numerus clausus: Über die Aufnahme entscheidet ein mehrstufiges Auswahlverfahren mit drei Bausteinen.
- 1
Kognitiver Fähigkeitstest
Computerbasiert und adaptiv, vor Ort in Wien. Prüft Merkfähigkeit, Logik, räumliches Denken, Rechnen und Textverständnis.
- 2
Biologietest
30 Multiple-Choice-Fragen, exakt nach Buselmaier Kapitel 1, 2 und 7.1 bis 7.9, direkt im Anschluss an den kognitiven Teil.
- 3
Psychologisches Interview
Online-Einzelgespräch per Zoom. Die Einladung gibt es erst nach positiv absolviertem kognitivem Test.
Wichtig zu wissen: Der kognitive Test ist das Nadelöhr. Wer ihn nicht positiv absolviert, wird gar nicht erst zum Interview eingeladen. In die Reihung fließen Erfahrungsberichten zufolge etwa 80 Prozent Testleistung und 20 Prozent Schulnoten ein.
Fristen und Testblöcke: warum früh entscheidend ist
Die Online-Bewerbung öffnet am 7. Jänner und läuft bis Anfang August. Getestet wird in drei festen Blöcken: im Frühjahr, im Juni und im August. Auf dem Papier klingt das nach Flexibilität. In der Praxis ist es das Gegenteil.
Die Block-1-Strategie
Erfahrungsgemäß wird der Großteil der Plätze bereits im ersten Testblock vergeben. Wer früh testet, konkurriert um viele freie Plätze. Wer im August testet, kämpft um wenige Restplätze. Die Konsequenz: Bewirb dich so früh wie möglich, idealerweise direkt zum Fristbeginn, und plane deine Vorbereitung rückwärts vom ersten Block.
Die Testtermine sind bindend und nicht verschiebbar. Den genauen Ablauf deines Testtags bekommst du etwa eine Woche vorher per E-Mail. Die Ergebnisse werden schriftlich bekanntgegeben, Einzelergebnisse nennt die Universität nicht. Nach dem Vertragserhalt hast du 14 Tage, um den Platz anzunehmen.
Der Testtag in Wien
Der Testtag findet in Präsenz an der SFU statt und dauert insgesamt rund vier Stunden, von 9 bis 13 Uhr. Nach Aufruf und Einweisung sitzt du in einem großen PC-Raum. Vorne läuft die Restzeit auf einer Leinwand mit, einen Timer pro Aufgabe gibt es nicht. Vor jedem Modul gibt es Demo-Aufgaben.
- Zuerst kommt der kognitive Teil mit mehreren Untermodulen, danach der Biologietest. Beide teilen sich dein Zeitbudget: Wer vorne trödelt, gerät hinten unter Druck.
- Einmal bestätigte Antworten sind endgültig. Es gibt kein Zurückblättern und kein finales Review.
- Lass dich nicht vom Tempo der anderen treiben. Der Gründer von SFU Prep war beim eigenen Test zu schnell und hatte am Ende 30 ungenutzte Minuten übrig. Nutze deine Zeit voll aus.
Der kognitive Test: adaptiv und unterschätzt
Die SFU nennt offiziell nur die geprüften Dimensionen, keine Aufgabentypen und keine Literatur. Genau das macht die Vorbereitung schwierig. Aus eigener Erfahrung des Gründers lässt sich das Bild deutlich schärfen.
Der Test ist adaptiv: Löst du Aufgaben richtig, werden die folgenden schwerer. Das fühlt sich im Test oft wie Scheitern an, ist aber meist ein gutes Zeichen. Die Betreuer weisen vorab darauf hin, trotzdem bringt es viele aus dem Konzept.
- Merkfähigkeit
- Sechs bis acht Personenbeschreibungen mit je sechs bis acht Angaben: Fantasienamen, mehrstellige ID-Nummern, Berufe, Merkmale. Rund zehn Minuten einprägen, abgerufen wird aber erst nach etwa 45 Minuten, mit anderen Modulen dazwischen. Der verzögerte Abruf unter Ablenkung ist die eigentliche Hürde.
- Logisches Denken
- Syllogismen und Symbol-Matrizen, die du vervollständigen musst.
- Visuell-räumliche Wahrnehmung
- Schlauchfiguren und zerlegte Figuren, deren Teile du der Gesamtfigur zuordnest.
- Rechnerisches Grundverständnis
- Deutlich mehr als Kopfrechnen: Auch lineare Gleichungssysteme kamen vor, eingebettet in Textaufgaben. Mathematik wird nirgends angekündigt, also bereite dich darauf vor.
- Wortflüssigkeit
- Anagramme mit überraschend schweren Begriffen.
Der Biologietest: exakter Stoff, exakte Vorbereitung
Der Fachtest besteht aus 30 Multiple-Choice-Fragen. Die Literatur ist offiziell definiert: Buselmaier & Haussig, Biologie für Mediziner, 14. Auflage, Kapitel 1 und 2 (allgemeine Zellbiologie) sowie 7.1 bis 7.9 (Humangenetik). Mehr nicht. Aber dieser Stoff wird im Detail geprüft, nah am Wortlaut des Buchs.
Zwei Dinge überraschen fast alle Bewerber: Erstens sind teilweise zwei oder drei Antworten gleichzeitig richtig, klassisches Single-Choice-Raten funktioniert also nicht. Zweitens kommt Biologie ganz am Ende des Testtags, wenn die Konzentration nach Stunden am Limit ist.
Das Interview: Konsistenz schlägt Perfektion
Wer den kognitiven Test besteht, wird zum Online-Einzelgespräch per Zoom eingeladen, geführt vom psychologischen Testungsteam. Bewertet werden unter anderem Engagement, Selbstregulation, Leistungsmotivation und Pflichtbewusstsein. Typische Fragen aus dem echten Verfahren:
- Warum Medizin? Warum an der SFU, warum Wien?
- Was macht einen guten Arzt aus?
- Wie passt ein schwächerer Abi-Schnitt zu Medizin?
- Wie gehst du mit Druck und Stress um?
- Was sind deine Stärken und Schwächen?
- Wie finanzierst du das Studium?
Die wichtigste Regel: Deine Antworten müssen konsistent mit deinem Motivationsschreiben sein. Das Gespräch gleicht ab, ob dein Gesamtbild stimmt. Authentizität schlägt auswendig gelernte Musterantworten, gerade weil bei jüngeren Bewerbern tendenziell kritischer nachgefragt wird.
Kosten und Voraussetzungen
Alle Angaben ohne Gewähr, Stand des Bewerbungszyklus 2026. Verbindlich sind allein die Informationen der Universität.
Häufige Fragen
Wie schwer ist der SFU-Aufnahmetest?+
Die SFU veröffentlicht keine Bestehensquoten. Schätzungen zufolge erhält nur etwa jeder achte bis neunte Bewerber einen Platz. Anspruchsvoll ist vor allem die Kombination: ein adaptiver kognitiver Test ohne bekannte Aufgabentypen, ein Biologietest mit Detailfragen und ein psychologisches Interview.
Welche Biologie-Kapitel sind prüfungsrelevant?+
Laut offizieller Literaturangabe: Buselmaier & Haussig, Biologie für Mediziner (Springer, 14. Auflage), Kapitel 1, 2 sowie 7.1 bis 7.9. Das umfasst allgemeine Zellbiologie und Humangenetik.
Kann ich den Test wiederholen, wenn ich durchfalle?+
Innerhalb desselben Bewerbungszyklus nicht. Du kannst dich im nächsten Jahr erneut bewerben, zahlst dann aber erneut die Bewerbungsgebühr und verlierst ein Jahr. Genau deshalb lohnt sich eine ernsthafte Vorbereitung beim ersten Versuch.
Wann sollte ich mich bewerben?+
So früh wie möglich nach Öffnung der Bewerbung am 7. Jänner. Erfahrungsgemäß wird der Großteil der Studienplätze bereits im ersten Testblock vergeben. Wer im August testet, konkurriert um wenige Restplätze.
Brauche ich Chemie, Physik oder Mathematik wie beim MedAT?+
Nein. Der Fachtest der SFU prüft ausschließlich Biologie nach den definierten Buselmaier-Kapiteln. Mathematik begegnet dir aber im kognitiven Test, bis hin zu linearen Gleichungssystemen.
Das war der Überblick. Der Guide geht tiefer.
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